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Nach dem unerhörten Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla, der ja quasi einem heimtückischen Terroranschlag der Natur gleichkam, den selbst Al Kaida nicht perfider hätte einfädeln können, mußte man ob des folgenden Flugverbots und die Reaktionen hierauf doch gelegentlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es ärgerlich, wenn eigene Pläne durcheinander geraten, alles etwas unorganisiert abläuft und wirtschaftliche Schäden möchte ich auch nicht in Abrede stellen. Aber sind nicht gerade Flexibilität und Unabhängigkeit die beiden großen Wörter unserer Zeit? Heute hier und morgen da, Internet ist überall und genau dort sind wir zu Hause – und da soll eine mehrtägige Zwangsstationierung für Unruhe(n) sorgen?
Gerade die festsitzenden Urlauber hatten diese Verlängerung scheinbar dringend nötig, denn sehr erholt sah mir schon am Tag eins nach der »Katastrophe« niemand aus … Ist aber verständlich: Wenn wir freiwillig billigen Rioja für viel Geld zwischen tausend anderen Brathühnern an der Costa del Sol schlürfen oder aber fantastisches Thai-Curry in Chaweng verköstigen, kann man das vielleicht als Urlaubsparadies bezeichnen. Verbannt einen aber die böse Fee Eyjafjalla dorthin, ist es die Hölle! Auf Mauritius, der Domrep – egal an welchem Ort, wenn dieser nicht Heimat heißt!
Und überhaupt ist es doch ein absolutes Unding, daß man sich von so einem Klacks Lava derart in die Knie zwingen läßt. Nein, nein, Kinder, so ist kein Krieg gegen die Natur zu gewinnen! Hören Sie gut zu, Herr Ramsauer: Wir haben inzwischen Laptops, die sich unter der Türschwelle durchschieben lassen, sowie Apps, die uns sagen, welches Hemd zu welcher Hose aus unserem Schrank paßt und da sollen ein paar Staubpartikel die unverzichtbare Elite des Landes – also im Prinzip uns alle – von Höhenflügen abhalten?
Einige gute Aspekte hatte der Kollaps natürlich schon: Das Flugpersonal kann jetzt beispielsweise ein klein wenig nachempfinden, was ein Zugbegleiter so durchmacht, wenn es zwischen Berlin und Hamburg zu zwanzig Minuten Verspätung kommt und wir konnten feststellen, daß die Weltwirtschaft wider Erwarten nicht komplett zusammenbricht, wenn nicht jeder an seinem Platz ist. Na ja, und Frau Merkel lernte das wunderschöne Südtirol kennen, das sie sonst nicht mal von oben wahrgenommen hätte …
Vielleicht wollte uns Eyjafjalla einfach ein wenig mehr Gelassenheit nahebringen: Jetzt haltet mal den Ball flach und nehmt euch nicht so wichtig. Mag sein, daß ihr normalerweise in wenigen Stunden mit euren Kerosinschleudern um die halbe Welt kommt – aber ich kann euch mit zweimal Husten da ganz schnell wieder runterholen.
In diesem Sinne: Haben Sie schöne Ferien und packen Sie vorsichtshalber ein, zwei Bücher mehr ein … damit’s im Fall der Fälle nicht langweilig wird.
Bettina Schulz