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Die Zukunft war früher auch besser, sagte Karl Valentin einst und ein Fünkchen Wahrheit ist in solchen Aphorismen ja immer enthalten. Definitiv anstrengender ist heute jedenfalls die Kalkulation der eigenen Dienstleistung geworden – gerade in der Kreativbranche kann man davon ein Lied singen. Wird es denn günstiger, wenn ich die Fotos für die Broschüre selbst mache? Vielleicht weniger Buchstaben? Die Illus nur in Schwarzweiß? Zehn Prozent Nachlaß für Kundentreue und drei Prozent Skonto …
Ist es nicht schauerlich, daß die Begriffe Wert und Wertigkeit so gut wie keine Rolle mehr spielen? Inzwischen ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, von vorne herein einen Nachlaß einzuräumen: Zum regulären Preis kauft längst niemand mehr und das Gefühl für Angemessenheit ist auf dem Feld der Rabattschlacht den Heldentod gestorben.
Ich finde es sehr befremdlich, das Angebot eines Dienstleisters grundsätzlich anzuzweifeln und damit auch den Wert seiner Fähigkeit. Was ist das nur für eine Zusammenarbeit, wenn man bei seinem Geschäftspartner prinzipiell bösen Willen beim Erstellen seines Kostenvoranschlags vermutet? Auch wenn es natürlich jedermann freisteht, diesen Preis letztlich für den eigenen Geldbeutel als zu teuer einzustufen, kann diese Tatsache doch schlecht dem Anbieter zum Vorwurf gereicht werden.
Zu welch einer Spirale die ausschließliche Fixierung auf den Preis führen kann, machen die Anzeigen diverser Möbelhäuser deutlich: Glaubt man diesen, so werden die Waren inzwischen fast verschenkt – Jubiläumsverkäufe (wenn nicht gerade Oster-, Sommer-, Herbst-, Winter-, Halloween- oder Weihnachtssale ansteht) scheinen die einzige Verkaufsstrategie der Branche darzustellen. Das bringt nicht nur einen gewissen Billigheimer-Ruf mit sich, sondern, fast noch schlimmer: Bei jedem »unglaublich guten« Deal macht sich hinterher beim Kunden trotzdem das latente Gefühl breit, vielleicht doch ein wenig über den gerade gekauften Tisch gezogen worden zu sein …
Das Gegenbeispiel schlechthin ist natürlich Apple: Kein Nachlaß, einheitliche Preise. Entweder ich möchte ihn oder ich laß es eben bleiben. Wenn es nur für ein Fahrrad reicht, gibt es keinen Porsche. Wenn ich mir keinen Designer leisten kann, muß Tante Hiltrude ran, die einen VHS-Kurs in kreativem Zeichnen belegt hat. Trotz allem gibt es bei solch strikter Geschäftspolitik eine Art Rabatt, denn man spart sich unglaublich viel Zeit, die ansonsten für Preisvergleich und -recherche verplempert werden würde.
Ein weiteres Beispiel zeigt, daß Standhaftigkeit durchaus funktioniert: Bei mir steht in diesem Jahr ein Küchenkauf an und dabei stieß ich auf ein Studio, das zehn Grundsätze auf seiner Website festgehalten hat. Einer davon lautet: »Wir geben konsequent keine Verhandlungsrabatte, auch wenn Sie dann nicht bei uns kaufen würden.« Das schaue ich mir doch glatt mal an, man muß ja sonst schon soviel verhandeln …
Bettina Schulz