Hallo! Ein vorbeirauschender Gruß eines Buchtitels an einem hektischen Studio-Tag – aufgeblitzt im Web. Meine Gedanken haben das Thema schon längst gespeichert, um es mir in einer ruhigen Stunde nochmals geistig zu präsentieren. Der Buchtitel lautete »Kreativität als Beruf – wenn die Kür zur Pflicht und der Ausnahmezustand zur Regel wird«. Ich halte inne – was spricht mich an diesem Titel an? Ich schweife in meiner Design-Timeline zurück. Hier gab es viele Momente für die Kür und den Ausnahmezustand. Start vor 25 Jahren: glückliche Schriftsetzerlehre, bester Meisterabschluß einige Jahre später. Die New Economy: Start in die Selbständigkeit. Vier Jahre später 35 Angestellte, ein Jahr später nur noch einer: ich. Ausnahmezustand! Crash der Wirtschaft, Crash der Agentur. Frau, Hund und ich ohne Gehalt, die Basis war einfach weg. Welten brechen auseinander. Unser Eigenantrieb mobilisiert Reserven – es geht irgendwie weiter. Meine Frau findet einen Job, ich bleibe selbständig. Glück im Unglück: Jobs und treue Kunden motivieren, lenken ab, geben Hoffnung, bestätigen das Tun. Das Urvertrauen kehrte dennoch erst etwa zehn Jahre später zurück. Arbeiten at home: Auf dem Wohnzimmerboden liegen Druckplatten, die Couch wird zur Besprechungsecke. Kunden treffe ich im coolen ZKM oder direkt in deren Office. Ich will raus: Nach zwei Jahren Home-Office finde ich ein feines 45-qm-Studio – aufatmen. Es geht wieder aufwärts, die Kürvorstellungen werden mehr – und es macht riesigen Spaß. Heute: noch immer ein feines Studio, gemütlich ausgelegt für maximal acht Leute. Das Studio steigert sich seitdem jährlich, mit gleichbleibender Mitarbeiterzahl – wir sind zu dritt. Es gab viele Ausnahmezustände, die Kür lag zwischen grenzwertigen Situationen und Entscheidungen. Jeden Tag etwas Besonderes tun, ist heute Tagesziel. Ausnahmezustände gibt es nicht wirklich, wir sind ja nicht im Krieg mit unseren Kunden! Lieber sage ich (wenn möglich) einen Job ab. Was meinen Design-Kollegen dazu? Ich habe nachgefragt …