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An manchen Tagen bin ich richtiggehend verzweifelt, was das Potential meines Gedächtnisses angeht geht es Ihnen auch so? Nichts will man sich so richtig merken können. Auf dem Weg zum Kopierer vergißt man die Vorlage, im Supermarkt steht man hilflos vor dem Regal
was wollte ich eigentlich? Und als ich neulich wieder mit Falten auf der Stirn vor einer Shop-Website saß, die meinen Benutzernamen samt Kennwort abfragte, dämmerte mir: Mein Hirn ist sicherlich nur so verstopft, weil es sich annähernd hundert PINs, merkwürdige Nicknames, unlogische Zahlenreihen und sonstigen Zugangsberechtigungsfirlefanz merken muß. Online-Banking, EC- und Kreditkarte, amazon, ebay, Lufthansa, Handy, Mail-Postfächer und dazu der gute Rat eines jeden Sicherheits-IT-Menschen, Paßwörter mögen doch recht kompliziert sein, nichts mit persönlichen Daten wie dem Geburtstag zu tun haben und eine kryptische Kombination aus Buchstaben UND Zahlen darstellen. Niemals die gleiche und bitte nicht aufschreiben! Zahlreiche Vorgaben von seiten des Anbieters mindestens drei-, vier-, sechs-, achtstellig tun ihr übriges für eine ganze Sammlung von »Decknamen«. Und während man früher, um gut durchs Leben zu kommen, einfach nur seinen Vor- und Nachnamen wissen mußte, braucht es so heute ganze Zahlenlabyrinthe, um zu überleben. Führt das eigentlich früher oder später zur Schizophrenie? Wie froh bin ich, daß sich meine Haustüre (noch) per Schlüssel öffnen läßt, ich hätte sonst wahrscheinlich schon so manche Nacht im Treppenhaus verbracht an die gelegentliche Absenz einer EC-Karte kann man sich ja gewöhnen (
drei Fehlversuche sind einfach zu wenig!). Wobei der umgreifende Sicherheitswahn vielleicht auch ein wenig hysterisch ist wen bitte schön interessieren meine gespeicherten Rezepte auf chefkoch und muß ich diese wirklich Fort-Knox-mäßig schützen? Macht es zudem einen Unterschied, ob ein Hacker zwei oder vier Minuten benötigt, um die Paßwörter zu entschlüsseln? Ich glaube, unsere Sicherheitsprobleme liegen an ganz anderer Stelle und hiermit sei besonders die Telekom sowie die SKL gegrüßt.
Doch nun zur garantiert paßwortfreien Oktoberausgabe: In unserem novum plus erwartet Sie eine Fülle exzellenter und vielseitiger Illustratoren. Es macht den Anschein, dieses Genre ist gerade auf dem Vormarsch und erobert wieder einen festen Platz in der Gestaltung von Broschüren, Anzeigen, Büchern und Kampagnen. Sieht man all die unterschiedlichen Striche und Ausdrucksweisen, kann man den Trend nur begrüßen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Herbst und freue mich, viele von Ihnen auf unserer Creative Paper Conference persönlich zu treffen, Ihre
Bettina Schulz