Editorial

Öko auf Erfolgskurs



 Auch wenn sich diverse Organisationen auf die Fahnen schreiben, dem ökologischen Umdenken alleinig auf die Sprünge geholfen zu haben … ich glaube das nicht. Zu verdanken haben wir dies ein großes Stück weit den Gestaltern, die nicht selten bis zur Verzweiflung ihren Öko- und Biokunden jahrzehntelang predigten, daß Grün zwar an für sich eine schöne Farbe ist, aber diese auch ästhetisch ansprechend eingesetzt werden muß, um Erfolg zu haben.
Seit das Thema Öko neudeutsch zum Mainstream avancierte und längst nicht mehr einer belächelten, sektenähnlichen Gruppierung vorbehalten ist, die schon optisch so aussah, als würde sie auf sämtliche Errungenschaften der zivilisierten Welt pfeifen, hat sich endlich das Auftreten ökologisch wertvoller oder zumindest korrekter Produkte gemausert. Mit dieser visuellen Frischzellenkur wurde es auch dem Banker, Manager, Juristen oder jedermann, der auf seinen gutbürgerlichen Ruf bedacht ist, möglich, sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen, ohne in den Verruf zu geraten, künftig das Leben eines Waldschrats führen zu wollen. Die Motivation, nur aus Gründen des Trendsettertums auf der ökologischen Welle zu surfen, mag die falsche sein – das dürfte Mutter Erde aber letztlich ziemlich gleichgültig sein. Und so begegnen uns jetzt im Supermarkt endlich Bio-Produkte, die man sich gerne in die Küche stellt. Sie sind immer noch als solche erkennbar, aber eben auf eine moderne, frische Art und Weise. Und was beim alltäglichen Einkauf seinen Anfang nahm, zieht weitere Kreise – denn oftmals benötigt es nur kleine Impulse, um sich mit dem großen Ganzen auseinanderzusetzen. Beim Autokauf werden Emissionszahlen erfragt, die in den achtziger Jahren nur diejenigen interessierte, die sowieso hauptsächlich mit dem Fahrrad fuhren; Häuser werden auf Dämmungen und alternative Beheizungsmöglichkeiten überprüft und ein kleiner Ökoskandal reicht inzwischen, um einen ausgewachsenen Konsumentenboykott auszulösen.
Natürlich können Gestalter aber noch mehr tun, als grüne Anstriche zu verpassen – sie haben Einfluß auf Materialwahl, auf klimaneutrales Drucken, auf umweltschonende Umsetzung und ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Stückzahlen von Printprodukten. Man kommt als Designer also nicht umhin, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, aber auch die vermeintlich umweltfreundlichen zu hinterfragen. Letztlich sind sie es, die ihre Kunden an die Hand nehmen und auf mögliche grüne Lösungen hinweisen sollten. Auf vierzehn Seiten finden Sie in dieser Ausgabe Projekte, die hierzu Anregungen geben. Besonders auffällig ist übrigens derzeit die große Anzahl Diplomarbeiten, die sich mit Umweltthemen befassen – drei davon stellen wir ebenfalls vor.
Fazit: Öko rockt! Und die Branche hat auf diesem Gebiet noch ein großes unbeackertes Feld vor sich. Rosige – pardon, grüne – Aussichten also, oder?

Bettina Schulz