Editorial

Ein Quentchen Quäntchen


Halten Sie mich für verrückt, aber mich durchfährt immer ein kleiner Glücksschwall, wenn mir Worte begegnen, die ich sicherlich irgendwann einmal gehört, aber deren Existenz ich längst vergessen hatte. Manches Mal kommen mir diese in Romanen unter, die zugegeben nicht gerade der Popliteratur zugeschrieben werden, ein anderes Mal fallen mir Redewendungen ein, die meine Oma benutzte … und das eher in Münchner Mundart. Und bei diesen Gelegenheiten wird mir bewußt, wie reichhaltig Sprache eigentlich ist und wie einfältig sie doch zunehmend wird. Natürlich kommen neue Worte hinzu, Namen für Dinge, die vor nicht allzu langer Zeit nichts weiter als eine Illusion waren – aber anstatt diese hinzuzunehmen, den Wortschatz zu bereichern, scheinen sie eher eine verdrängende Wirkung zu haben. Hinzu kommt, auch das muß man wohl eingestehen, daß Dialekte in der heutigen globalen Gesellschaft nicht gerade das ideale Kommunikationsmittel sind und ihr langsames Aussterben damit wahrscheinlich vorprogrammiert ist.
Für alle, die mit Sprache umgehen, sollte es jedoch Aufgabe sein, gerade die Vielfalt ihres Genres zu erhalten – ebenso wie Grafikdesigner immer wieder alte Schriften, Farben oder Stilmittel entdecken und neu interpretieren. Wären sich mehr Menschen dieser Verantwortung bewußt gewesen, wäre es vielleicht auch nicht zu solch abstrusen – oftmals sinnentstellenden – Folgen durch die Rechtschreibreform gekommen. In einem meiner vergangenen Beiträge kam mir das, wie ich finde, wunderschön klingende »Quentchen« unter, das seinen Ursprung im 15. Jahrhundert hat und sich von Quintlin über Quintel bis hin zum Quentlein im 17. Jahrhundert entwickelte. Das »neue« Quentchen, das sich »Quäntchen« nennt, ist nun quasi ein Kuckuckskind des »Quantum« und hat damit strenggenommen eine ganz neue Bedeutung. Aber da es ohnehin kaum mehr Verwendung findet, ist das vielleicht auch nicht allzu dramatisch … und allzu dramatisch ist es demzufolge auch nicht, daß wir in novum gelegentlich Familienzusammenführung betreiben und dem Quentchen sein Quentlein lassen.
Wer sich noch nicht zu unserer Creative Paper Conference angemeldet hat, sollte sich die Chance wirklich nicht entgehen lassen – hochkarätige Referenten, auf die ich mich persönlich auch sehr freue, warten ebenso wie zahlreiche Papierhersteller, Manufakturen und Veredelungsunternehmen, die Sie in ihre Papierwelten entführen möchten. Wir fiebern der CPC jedenfalls bereits entgegen – ich hoffe, Sie auch!
Einen guten Start in den Herbst wünscht Ihnen

Bettina Schulz