![]() |
So stand es einst auf vielen Toilettentüren in den Schulen relativ harmlos, wenn man sich die vielen Kommentare auf den »Klowänden des Internets« so betrachtet. Das Phänomen ist natürlich nicht neu und dennoch macht es mich (und sicherlich auch viele andere) immer wieder wütend. Das Interesse an Diskussionsforen auf Websites speziell im Grafikbereich verfliegt bei mir meist sehr schnell, wenn ich über den ersten knappen »ist langweilig«-Kommentar zu einer Designarbeit stolpere. Selbstverständlich sind solch »hochqualifizierte« Statements generell anonym abgegeben worden und nicht selten auch von beleidigender Natur. In so einem Moment stelle ich mir den jeweiligen Absender gerne als völlig talentfreien, erfolglosen Menschen vor anders ist das ja nicht auszuhalten. Ich mag mir gar nicht ausmalen, daß solch sinnfreie Einträge von intelligenten Usern mit etwaiger Fachkenntnis stammen könnten. Das anonyme »Draufdreschen«, vernichtende Urteile ohne jegliche Begründung sollte man vielleicht als feiges, leider ziemlich in Mode gekommenes Ventil für den eigenen Frust mit einem müden Lächeln übersehen die Sache hat jedoch mindestens zwei Seiten. Zum einen steht (ohne rührselig werden zu wollen) hinter jeder kommentierten Arbeit ein Mensch, der seine Energie und sein Können in das Projekt gelegt hat. Und wenn man auch für seine Kollegen nicht viel übrig hat einen Hauch Respekt hat wohl jeder verdient. Zum anderen leiden ebenso die Betreiber der Webseiten unter dem anonymen Kommunikationsmüll und auch denen gebührt eigentlich ein wenig mehr Achtung vor ihrer Arbeit, ein Forum mit neuen Inhalten zu füllen und ernsthafte Diskussionen anzuregen.
Die Möglichkeit, sich mit anderen aus aller Welt auszutauschen, ist eine fantastische sofern sich jeder an eigentlich ganz selbstverständliche zwischenmenschliche Regeln hält. Es ist schaurig faszinierend, welch Auswüchse Anonymität manches Mal zum Vorschein bringt von Angesicht zu Angesicht ist der Großteil der Menschheit leider weniger mutig. Wahrscheinlich sind die »alles ist blöd«-Schreiber aber eben auch diejenigen, deren Kommentare schon damals auf Schulbänken zu lesen waren leider sind sie inzwischen auf dem Papier erwachsen und können nicht mehr zum Nachsitzen in puncto gute Manieren verdonnert werden
Um so mehr freuen wir uns immer auf Ihre Zuschriften, hinter denen Namen und damit ehrliche Meinungen stehen. Einen Teil hiervon finden Sie in der Novemberausgabe auf Seite 8.
Herzliche Grüße, Ihre
Bettina Schulz