Design Indaba All Stars – Ein Rückblick auf 2010, Tag 2

 

Den zweiten Tag der Konferenz eröffnete Bruce Nussbaum, als Journalist für renommierte Magazine wie BusinessWeek beschäftigte er sich schon früh mit der Verbindung von Design und Wirtschaft und untersuchte über Jahrzehnte hinweg, wie Unternehmen durch Kreativität profitieren können. Seit 2005 ist er mit dem Blog NussbaumOnDesign online, ist einer der stärksten Verfechter der Design-Thinking-Schule und unterrichtet also Professor of Innovation and Design an der Parsons School for Design. Die Indaba nutzte er, um unter anderem die Frage aufzuwerfen, inwiefern der Bereich Social Media unser aller Leben beeinflußt und verändert und skizzierte eine Zukunft, in der sharing (teilen) wichtiger sein wird als owning (besitzen).

Nachdem Nussbaum viele interessante Fragen und Probleme angerissen und dem Publikum viel Stoff zum Nachdenken gegeben hatte, brachte eine Pecha-Kucha-Präsentation das Publikum wieder ordentlich in Schwung. Sechs Studenten, die von ihren Hochschulen nominiert worden waren, stellten in nur sechs Minuten ihre Abschlußarbeiten vor. Boback Firoozbakht (Iran/USA) gab Einblick in den Bereich Interior Architecture, Sonja Bäumels Arbeit (Österreich/Belgien) ließ die Grenzen zwischen Design, Biologie und Mode verschwimmen und Tomas Kral (Schweiz/Slowakei) präsentierte ebenso praktische wie poetische Produktdesignlösungen. Der Interactive und Game Designer Michael Edwards (USA) zeigte, wie sich technologisches Wissen auch unter einfachsten Bedingungen zum Wohl der Menschen einsetzen läßt und Oliver Hermanus (Südafrika) präsentierte ein sehr persönliches und bewegendes Filmprojekt.

Den absoluten Höhepunkt stellte jedoch der Vortrag von Thomas Thwaites (UK) dar. Der Absolvent des Design-Interaction-Kurses am Royal College of Art wählte ein Zitat aus Douglas Adams Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" als Ausgangspunkt seiner Arbeit. Sinngemäß fühlt sich der Held Arthur Dent den Bewohnern eines fernen Planeten überlegen, da er ja aus einer technisch hochentwickelten Kultur stammt, muß aber leider feststellen, daß er selbst nicht einmal eine Toaster bauen kann und bestenfalls zum Sandwich machen taugt. Diesen Gedanken griff Thwaites auf und machte sich daran, selbst einen Toaster nachzubauen. Kein einfaches Unterfangen, wie der Britte humorvoll dokumentierte. Mit selbstgebastelten Erzschmelzen, Formpressen für das Gehäuse und allerlei anderen Hilfsmitteln gelang es ihm schließlich, einen eigenen Toaster zu bauen. Dieser hatte zwar die Anmutung eines Steinzeit-Toasters, funktionierte aber laut Designer genau einmal - immerhin!

Nach der Vorstellung diverser Indaba-Projekte (novum-Leser werden das 10x10 housing project kennen) präsentierten Gary Hustwit (Helvetica, Objectified), Doug Pray (Art&Copy) sowie Eames Demetrios (u.a. Dokumentationen über seine Großeltern Charles und Ray Eames) ihre Filme und machten als Nicht-Designer jeweils auf ihre Art den Design- und Schaffensprozeß deutlich. 

Piyush Pandey, Creative Direktor von Ogilva & Mather Mumbai, erläuterte einem erstaunten Publikum, wie schwierig es ist, in einem Land, mit über 30 offiziellen Sprachen und ca. 30.000 Dialekten Werbung zu machen, die alle Menschen anspricht - seine Lösung, "talk to the heart". Wie solch eine Herangehensweise aussehen kann, zeigte er anhand verschiedener Werbefilme, die beim multikulturellen Indaba-Publikum für ebenso viele Lacher sorgten, wie bei den indischen Zuschauern. Intelligenter Humor ist offensichtlich Klassen, Sprach und Kultur übergreifend.

Und lustig ging es weiter. Der in die USA emigrierte Deutsche Stefan Bucher verblüffte das Publikum im todschicken Dreiteiler, mit Arbeiten, die teilweise den Verdacht auf Dogenkonsum nahe legten und einem Humor, der so trocken war, wie der Wind über der Sierra Nevada. Während für viele Designer das Geldverdienen ein zentrales Thema ihrer Existenz ist, propagierte Bucher den bewußten Verzicht: lieber weniger kommerzielle Aufträge annehmen und stattdessen mehr Daily Monsters zeichnen (www.dailymonster.com). 

Danach hieß es Bühne frei für die Produktdesigner und zunächst präsentierten die Bouroullec Brothers aus Frankreich ihre Arbeiten. Zwar war nur Ronan aufgetaucht, doch dieser versicherte sogleich, daß die Abwensenheit seines Bruders nur gut sei, da sie sowieso nie einer Meinung wären und sich ständig stritten. Folglich konnte das Publikum in "Ruhe" die Arbeiten des kreativen Duos genießen und den Ausführungen des von kreativen Selbstzweifeln geplagten Sprechers lauschen. Den Abschluß des zweiten Konferenztages bildete der gebürtige Niederländer Tord Boontje, der bemüht ist, Design und Emotionen zu verknüpfen und mit Handwerkern aus aller Welt kollaboriert.

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