Editorial

Achtung, Design!

Die Herbergssuche gestaltete sich schon für Maria und Josef schwierig, wenngleich unter völlig anderen Gesichtspunkten: Das richtige Urlaubsdomizil zu finden, ist in der fortschrittlichen Neuzeit eine logistische Herausforderung, die das Erholungsbedürfnis erst so richtig befeuert. Holte man sich einst noch zwei, drei Kataloge aus dem Reisebüro, ließ die dort angepriesenen Unterkünfte durch ein persönliches Raster wie Preis und Lage rieseln – schon kristallisierten sich eine Handvoll Möglichkeiten heraus, die man bei einer Tasse Kaffee gemütlich in Gedanken hin- und herschubsen konnte. Inzwischen gibt es dank unzähliger Anbieter, Bewertungsportale, Preissuchmaschinen und ähnlichem ungleich mehr Auswahl, womit sich der persönliche Aufwand signifikant erhöht. Zudem hat man den Eindruck, daß die Kluft zwischen Schein und Sein proportional mit der Anzahl der Darstellungsplattformen für Hotellerie-Unternehmen größer wird. Gerade wenn mit »Design« geworben wird, sollten sämtliche Alarmglocken schrillen: Denn hier könnte sich auch ein unglaublich ambitionierter Quereinsteiger mit belegtem Wochenendkurs zum Thema Farbgestaltung verwirklicht haben und man findet sich in einem sogenannten »Themenzimmer« wieder, das man sich leider nicht selbst aussuchen konnte. Zwei Wochen im Modell »Sommerwiese« in Kotzgrün wären ebenso schlimm wie das Nächtigen im »Florida«, gehalten in Babyblau vom Lampenschirm bis zur Klobrille … Bisweilen steckt tatsächlich ein Designer dahinter, der aber leider nicht bedacht hat, daß absoluter Minimalismus zum Anschauen schön, zum Wohlfühlen aber grenzwertig sein kann. Ich war schon von nackten Betonwänden umgeben, die mich beinahe dazu veranlaßten, an der Rezeption wahlweise nachzufragen, wann die Renovierung denn abgeschlossen sei, einen Eimer Farbe zu verlangen oder auf sofortige Entlassung zu pochen. Und halten Sie mich gerne für prüde, aber ich habe es persönlich nicht so gerne, in einem gläsernen Bad zu duschen in der Hoffnung, daß nicht ausgerechnet dann das Putzkommando durchs Zimmer rollt.
Immer gerne genommen auch werbliche Superlative: Da stolperte ich kürzlich über ein Bio-Design-Landhaushotel – mehr Zielgruppe geht nicht! Der einzige Fehler des Besitzers lag darin, Fotos auf die Website zu stellen, denn weniger Design ging leider auch nicht … und so werde ich wohl nie erfahren, ob mit »Bio« das kulinarische Angebot oder aber lediglich der Misthaufen auf dem Nachbarhof gemeint war. Ganz generell sind ökologische Bemühungen als Lockmittel ein schwieriges Unterfangen – schön, wenn dies zur Philosophie gemacht wurde und nachzulesen ist, schade, wenn daraus ein erhobener Zeigefinger wird: Ein freundlich gemeinter Hinweis, es gebe keine Minibar, weil diese Unmengen Strom benötige (eine genaue Auflistung lag bei), brachte mich ins Grübeln, ob ich diese zum einen ohne die Belehrung überhaupt vermißt hätte und ich mich zum anderen nun für alle anderen Hotels mit Minibar, die ich schon in Anspruch genommen hatte, im nachhinein schämen muß …
Und damit sich auch unsere Leser außerhalb Deutschlands amüsieren, möchte ich einen letzten Punkt gerne dem hiesigen Hotelgewerbe einmal mitteilen: Im Jahr 2014 geht es so überhaupt gar nicht mehr in Ordnung, für die Nutzung des Wlan im Zimmer Gebühren zu verlangen, wenn man nicht gerade ein Iglu-Hotel auf 2000 Meter Höhe betreibt. Schließlich werden Heizung und Warmwasser auch nicht separat in Rechnung gestellt!
In der Hoffnung, Sie haben für Ihren Urlaub den schönsten Platz der Welt gefunden, wünsche ich Ihnen eine erholsame, sonnige Sommerzeit.