Editorial

Lassen Sie uns über Geld reden

Das ist Ihnen unangenehm? Ist Ihnen nicht zu verdenken – seit jeher ist das ein schwieriges Thema. Galt lange das Prinzip, keinen etwaigen Neid zu schüren (oder gar vermeintliches Mitleid zu erregen), sind wir inzwischen scheinbar schon eine Stufe weiter: Es mutet fast schon unanständig an, Geld verdienen zu wollen. Wie wurde doch auf Kanzlerkandidat Steinbrück eingedroschen, weil er sich erdreistete, für Vorträge tatsächlich Honorare angenommen zu haben! Ein merkwürdiges Verhältnis hat sich zu etwas gebildet, was ohnehin nur symbolischen Charakter hat und immer mehr lediglich als digitale Zahl weitergereicht wird.
Auch Kreative kennen Sätze wie »könntest du mal eben schnell« oder »für dich ist das doch eine Kleinigkeit« nur zu gut. Überall, wo keine »echte Ware« den Besitzer wechselt, sondern Zeit, Energie und Talent den Gegenwert stellen, entspinnen sich Diskussionen um eine faire Vergütung. Kennen Sie Mechaniker, Schreiner oder Büroassistentinnen, die in ihrer Freizeit gratis Zündkerzen wechseln, Schränke zimmern und Korrespondenz erledigen? Haben Sie je versucht, in einem Restaurant die Rechnung nicht zu bezahlen mit dem Argument »ich empfehle Sie doch weiter und komme auch ganz bestimmt selbst noch öfters zu Ihnen«? Kreativität und geistige Arbeit sind nicht in Gramm- oder Stückzahl zu wiegen und noch viel gravierender: Sie können von Außenstehenden oft nicht abgeschätzt werden. Picasso wurde einmal in einem Gasthaus gebeten, ein schnelles Bild zu zeichnen. Als er nach kurzer Zeit des Scribbelns den Preis hierfür nannte, wurde ihm Wucher vorgeworfen ... er habe doch nur wenige Minuten für das Ergebnis benötigt. Picasso antwortete: »Diese paar Minuten und mein ganzes Leben zuvor.« Und auch von Kaiser Joseph II. von Österreich gibt es eine nette Anekdote – er prüfte alle Vorgänge im Land ganz genau. Als er eines Tages eine Rechnung über den Ankauf eines Zebras für den Tierpark in Schönbrunn von 800 Dukaten auf den Tisch bekam, schrieb er an den Rand: »Ich weiß zwar nicht, was ein Zebra ist, aber ich finde 800 Dukaten dafür zu viel.« (Kunschmann, »Das große Anekdoten Lexikon«).
Wie aber mit dem Dilemma umgehen? Sicherlich ist man versucht, Neu­kunden entgegenzukommen, um diese tatsächlich zu gewinnen – aber gerade damit wird der Eindruck erweckt, die eigene Arbeit wäre letztlich nicht so viel wert, wie bei Anschlußaufträgen in Rechnung gestellt. Gewährt der Friseur denn beim Erstbesuch Rabatt? Ich glaube, es lohnt, zu Beginn seine Leistung genau zu erläutern und seinen Honorarsätzen treu zu bleiben … gegenseitige Wertschätzung ist wohl der beste Start in ein gemeinsames Projekt.
Diese Grundlage gilt natürlich auch für vermeintlich »kleine Kunden« – Lösungen für Einzelhändler oder Mittelständler: Neben der eigentlichen kreativen Arbeit heißt es hier, gemeinsam den finanziellen Rahmen abzustecken, Alternativen aufzuzeigen, vielleicht eher den Umfang zu reduzieren, als sich auf zähe Preisverhandlungen einzulassen. In unserem novum+ zeigen wir Ihnen eine Fülle solcher Aufträge, bei denen großartige Gestaltungsqualität den »small businesses« zu markanten Auftritten verholfen hat.
Und sollten die Argumente doch noch ausgehen, hilft vielleicht ein jüdischer Witz weiter: In einem podolischen Nest bleibt ein Reisender mit seinem Auto stecken. Man ruft schließlich den jüdischen Dorfklempner. Dieser öffnet die Motorhaube, versetzt dem Motor mit einem Hammer einen einzigen Schlag und der Wagen läuft wieder. »Macht 20 Zloty«, erklärt er. Der Reisende: »So teuer? Wie rechnen Sie das?« Der Klempner erklärt: »Gegeben a Klopp ein Zloty. Gewußt wo, 19 Zloty. Gibt zusammen 20 Zloty.«